Ulrich Bitz
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Wenn wir frühmorgens aufwachen, sind unsere Träume mit einem Schlag älter geworden als das Licht des Tages. Etwas kommt ans Licht, obwohl es noch der Nacht gehört. Im Schlagschatten der Tagwelt halten wir jeden Traum für die Asche unserer Nächte. Das mag mit der Feuernatur der Undurchdringlichkeit des von uns zu tragenden Schicksals zu tun haben. Oft begreifen wir nämlich nicht, wie das Traumgezeigte alles von uns Gedachte und Erlebte zu überwältigen weiß. Mit dem vom Traum Gezeigten sagen wir JA zum Schicksal und NEIN zur Schicksalhaftigkeit der Existenz. Das ist eine nur schwer zu ertragende FORM der Gewißheit, sind wir es doch gewohnt, zu allem SOWOHL-ALS-AUCH sagen zu müssen, weil wir nichts mehr präferieren als Ambiguität. Wir glauben seltsamerweise, daß der Skandal der Endlichkeit jedes von uns zurückgenommene JA in gleicher Weise rechtfertigt wie ein unsere Wirklichkeit beförderndes NEIN. Für uns scheint jedes JA ein Echo auf ein mythisches NEIN und jedes NEIN ein Echo auf ein mysteriöses JA zu sein. Die Absurdität dieses erratischen Denkens entgeht den meisten unter uns tragischerweise immer irgendwie, weil es ihnen unverständlich bleibt, wie man das ORIGINAL einer Zustimmung vom ECHO einer Zurückweisung unterscheiden kann. Aber vielleicht liegt das in der Natur von uns Menschen, weil wir nicht bereit sind, der Feuervernunft eines Phönix zu gehorchen, der das Nein im JA und Ja im NEIN nicht nur träumt, sondern auch in ein aschelogisches Schicksal überhöht.
Juni 2026 |
